Wie wollen wir wohnen und leben und einem Umfeld, das soziale Fragen und die Themen aller Generationen berücksichtigt? Immer öfter bilden sich in Städten – angesichts des demografischen Wandels – so genannte Baugemeinschaften, um gemeinsam ein Bau- und Wohngebiet zu entwickeln, in dem jeder seinen Platz hat.
Die Stadt Weinheim organisierte jetzt eine Veranstaltung, bei der sich interessierte Personen aus erster Hand informieren konnten. Ziel dabei war es, wichtige Grundlagen zu vermitteln und das Interesse aus der Bürgerschaft zu erfragen. Referent war Gernot Pohl aus Kirchheim/Teck, der mit dem Thema berufliche und private Erfahrungen hat. Rund 30 Personen trafen sich zu einem ersten Austausch von Ideen und Interessen im Alten Rathaus am Marktplatz.
Gernot Pohl ist Abteilungsleiter Städtebau und Baurecht in seiner Heimatstadt, ist aber selbst überzeugter Bewohnern des noch jungen Steingauquartiers. Dieses Quartier entstand auf dem 3,5 Hektar großen Areal eines früheren Einkaufszentrums mitten in der Stadt. Die Grundstücke wurden in einem Konzeptverfahren an sieben lokale Bauträger vergeben und so entstanden Eigentums-, Miet- und Sozialwohnungen, Appartements und betreute Wohngemeinschaften – ein lebendiges Quartier für alle Generationen.
Botschaften des Abends waren: Baugemeinschaften sind ein wirksamer Beitrag gegen die Vereinsamung von Menschen und ermöglichen ein Wohnen nach den individuellen Bedürfnissen. Sie werden nicht von der Stadt gesteuert. Es ist ein eigenständiger Prozess – Interessierte müssen sich selbst finden und vertrauen. Sie brauchen auch keine vergünstigten Grundstücke, denn sie sparen den sonst üblichen Projektentwickler-Gewinn und sparen 20 bis 25 Prozent der Kosten, sie benötigen aber dennoch für ihr Projekt einen Architekten und eine Projektsteuerung.
Wie Kastor Höhn vom Amt für Stadtentwicklung und Marcel Schmidt von der städtischen Liegenschaftsabteilung bestätigten, sieht die Stadt die Veranstaltung als ersten, sehr erfolgreichen Auftakt, um die Gründung von Baugruppen zu fördern. Gerade mit Blick auf die mittelfristige Entwicklung an den Standorten der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule und der ehemaligen Johann-Sebastian-Bach-Schule beschäftigt sich die Stadt mit dem Thema Baugruppen und möchte bereits jetzt, frühzeitig entsprechende Impulse setzen und Informationen geben, so Kastor Höhn. Da Konzeptvergaben, also die Auswahl der qualitativ besten Konzepte für ein Quartier, in Weinheim bereits gelebte Praxis sind (am Beispiel GRB-Areal, Allmendäcker) sei auch in Weinheim die Realisierung von Baugruppen bei kommenden Gebietsentwicklungen gut vorstellbar. Das Amt für Stadtentwicklung und das Amt für Immobilienwirtschaft beschäftigen sich mit der Frage, ob so ein Projekt auch in Weinheim entstehen könnte und welche Rolle die Stadt dabei einnehmen könnte.
Pressemitteilung der Stadt Weinheim, 23. Dezember 2025