Demokratie war in Deutschland nie eine Selbstverständlichkeit. Erst seit 1949 leben wir in einer stabilen Demokratie, die heute wieder massiv unter Druck gerät. Anlass genug, daran zu erinnern, wie mutige Männer und Frauen in den vergangenen gut 200 Jahren für bürgerliche Freiheiten und politische Mitbestimmung gekämpft haben. Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier findet am 18. März erstmals der Tag der Demokratiegeschichte statt. In Weinheim wird dieses Ereignis mit einer Veranstaltungsreihe und einer Ausstellung im Museum gewürdigt. Federführend ist dabei der Förderkreis des Museums.

Am 18. März 1793 erklärte der rheinisch-deutsche Nationalkonvent die Volkssouveränität und gründete die Mainzer Republik. 55 Jahre später, am 18. März 1848, führten die Barrikadenkämpfe in Berlin zur Märzrevolution. Der 18. März 1990 markiert die erste und einzige freie Wahl zur Volkskammer der DDR im Zuge der Friedlichen Revolution.

Auch Weinheim ist ein Ort, in dem Freiheitskämpfer aus verschiedenen Lagern am Projekt Demokratie mitgearbeitet haben. Deshalb ist auch der Förderkreis des Museums Weinheim dem Aufruf, sich zu beteiligen, gefolgt.

Unter dem Titel „Kneipe, Kanzel, Parlament. Weinheimer Orte der Demokratiegeschichte“ wird vom 10. bis 25. März im Museum am Amtshausplatz eine Ausstellung zu Personen, Orten und Ereignissen aus den letzten 200 Jahren zu sehen sein, die die Entwicklung zur Demokratie in unserer Stadt prägten. Begleitet wird die Ausstellung von einigen abendlichen Kurzvorträgen, einer Stadtführung und einem bunten Nachmittagsprogramm. Eröffnet wird die Ausstellung am 10. März von Oberbürgermeister Manuel Just.

Pressefreiheit damals und heute“ ist der Titel eines Vortrags am 13. März um 19 Uhr. Zeitungen waren für die Entwicklung der Demokratie und sind heute für ihren Erhalt unverzichtbar. Der Weinheimer Journalist Thomas Veigel wird die Geschichte der Zeitungen und der Pressefreiheit mit einem Schwerpunkt auf Baden und Weinheim beleuchten. Pressegesetze, Zensur und die aktuelle Situation der Pressefreiheit in Deutschland und der Welt sind weitere Themen.

Wege zur Demokratie – in Weinheim und der Welt“ heißt der Vortrag von Heiner Bernhard am 18. März um 19 Uhr. Nach einem Blick auf die heutige Situation in Deutschland schildert Weinheims ehemaliger Oberbürgermeister die wenig erfreuliche Demokratiegeschichte von den verheißungsvollen Anfängen im alten Athen bis zum Ende des Absolutismus. Ausgehend von der Aufklärung als Fundament der Moderne spricht er die Demokratisierung in Nordamerika und Frankreich an mit deren Auswirkungen auf die Entwicklung in Deutschland – insbesondere im 19. Jahrhundert. Weinheimer demokratische Sonderwege in der Zeit vor der Geltung der Gemeindeordnung runden den Vortrag ab.

 „Frauen in der Demokratie“ ist das Thema des Vortrags der Weinheimer Gemeinderätin und Grünen-Politikerin Elisabeth Kramer am 20. März um 19 Uhr. Das Frauenwahlrecht kam überall sehr verzögert: Erst nachdem alle männlichen Bürger wählen durften, also nach Beendigung der Sklaverei, durften auch in den USA Frauen wählen, das war erst 1920, in Deutschland durften Frauen immerhin ab 1919 wählen. Aber Demokratie besteht nicht nur aus Wahlen: Abstimmungen zu Sachthemen gehören ebenso dazu wie Gleichberechtigung in Familie, Beruf und Öffentlichkeit. Elisabeth Kramer wird dazu auch ihre eigene Geschichte in der Kommunalpolitik beleuchten.

Führung: Am 21. März findet um 15 Uhr vom Museum aus ein von Alexander Boguslawski geführter Altstadtrundgang statt, bei dem an Orte und Personen in Weinheim erinnert wird, die mit unserer Demokratiegeschichte zu tun hatten.

Bürgerschaftliches Engagement“ stellt Monika Springer am 24. März um 19 Uhr vor. Die Demokratie besteht nicht nur aus ihren Institutionen, sondern sie lebt auch von der Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger. Die Menschen haben in der Geschichte die Demokratie erkämpft, und sie weiterhin aufgerufen, für ihren Erhalt einzutreten. Wichtig ist, sich an Wahlen zu beteiligen, aber auch Bürgerinitiativen sind eine Form der Beteiligung. Monika Springer wird unter anderem von dem Bündnis „Weinheim bleibt bunt“ berichten, das sich seit über zehn Jahren für die Demokratie in unserer Stadt einsetzt.

Beim „Bunten Nachmittag“ mit Kaffee und Kuchen am Sonntag, 22. März kommt auch die Kultur zu Wort. Torsten Fetzner, früherer Bürgermeister von Weinheim, singt politische Lieder, der Kabarettist Manfred Maser wird eine Revolutionsgeschichte erzählen, der Jugendgemeinderat wird sich vorstellen, in einem Film von 1973 erzählen fünf Weinheimer aus ihrem Leben, das bei einigen im 19. Jahrhundert begann. Alexander Boguslawski stellt in einer Lesung den „ehrbaren Weinheimer Revoluzzer“ Friedrich Härter vor.

Pressemitteilung der Stadt Weinheim, 02. März 2026

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