Es waren raue Zeiten, und die Gerber mussten hartgesottene Leute sein. Immerhin arbeiteten sie schwer, wühlten mit den Armen im ätzenden Gebräu der Eichenlohe, hantierten mit scharfen Messern. Der ekelhafte Gestank nach Tierhäuten machte ihnen nichts mehr aus. Sie verbrachten ja Tag und Nacht damit – im Weinheimer Gerberbachviertel unterhalb des Marktplatzes.

Der Weinheimer Stadttourismus bietet jetzt eine neue Stadtführung an, in der Dietmar Spicker seine Begleiter mitnimmt durch die Gassen am Gerberbach – erstmals dieses Jahr am Samstag, 14. März. Er erzählt Geschichten und Anekdoten aus der Zeit des Mittelalters, als die Rotgeber über die Weißgerber die Nase rümpften, weil sie nur Häute von Ziegen und Schafen abbekamen. Wie die wohlhabenderen Rotgerber, die vor allem Rinder- und Pferdehäute verarbeiteten, in der Stadt zu Wohlstand und Anerkennung kamen. Und wie Thomas Büdinger seinen Büdinger Hof in der Judengasse zum Zunfthaus ausbauen konnte. Auch die Entwicklung von der kleinen Werkstatt zur ersten Ledermanufaktur und der Fabrik der Familie Hirsch beleuchtet Spicker als Kenner der Weinheimer Geschichte in all ihren Facetten.

Das Gerberhandwerk hatte sich in schon seit dem 13.Jahrhundert entwickelt. Weiches Wasser im Grundelbach, Eichenrinde aus dem nahen Odenwald und von der Bergstraße zur Gewinnung der Lohe und Rind- sowie Kalbfelle von den Viehhaltern im Umland waren die Grundlage. Das Gerberhandwerk war industriegschichtlich auch die Keimzelle des heutigen Freudenberg-Konzerns. Mittlerweile ist das Viertel ein begehrtes Wohnquartier von historischer Bedeutung.

Die Führung „Das Gerberviertel – Handwerk und Historie“ dauert zwei Stunden und beginnt am Samstag, 14. März, 14 Uhr, am Marktplatzbrunnen. Anmeldungen und weitere Infos bei der Tourist-Info am Weinheimer Marktplatz unter 06201 – 82 610 oder tourismus@weinheim.de. Eine Teilnahme kostet 8 Euro pro Peson.

Pressemitteilung der Stadt Weinheim, 09. März 2026

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