Wenn ein Familienmitglied an Demenz erkrankt, verändert sich der Alltag grundlegend – sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen. Unterstützung, Begleitung und oft auch organisatorische Lösungen werden notwendig. Welche Rolle dabei moderne Technik und Smart-Home-Anwendungen spielen können, zeigt ein Informationsabend, der praktische Einblicke und konkrete Hilfestellungen bietet.
Unter dem Titel „Smart Home und andere technische Hilfen – Erfahrungen aus der Praxis zur Alltagsbewältigung auch bei Demenz“ informieren Fachleute und Betroffene über Chancen und Herausforderungen technischer Unterstützung im häuslichen Umfeld.
Den fachlichen Einstieg übernimmt Marcus Dannfeld von der Wohnberatungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes im Rhein-Neckar-Kreis. Er gibt einen Überblick über verfügbare Hilfsmittel im Haushalt, Möglichkeiten für sicheres Wohnen sowie den Einsatz technischer Assistenzsysteme. Dabei wird deutlich: Von einfachen Alltagshilfen bis hin zu vernetzten Smart-Home-Lösungen gibt es zahlreiche Ansätze, die das Leben für Menschen mit Demenz sicherer und selbstständiger machen können.
Wie solche Technologien konkret eingesetzt werden, schildert im Anschluss Peter Sass anhand seiner persönlichen Erfahrungen. Er hat seine in Mannheim lebende Mutter aus der Ferne betreut und dabei gezielt technische Hilfsmittel eingesetzt. Über Videoverbindungen, Sensoren und intelligente Türsysteme konnte er trotz räumlicher Distanz am Alltag seiner Mutter teilnehmen, sie unterstützen und gleichzeitig ein Stück Sicherheit gewährleisten.
Seine Bilanz nach einem Jahr: Die Technik könne in vieler Hinsicht eine Art „virtuelle Unterstützung im Haus“ sein. Sorgen um die Sicherheit und Alltagsbewältigung hätten sich deutlich reduziert. Gleichzeitig weist Sass auch auf Herausforderungen hin – etwa die Abstimmung mit Pflegediensten, Fragen der Privatsphäre oder die zusätzliche zeitliche Einbindung für Angehörige.
Neben praktischen Fragen stehen auch ethische Aspekte im Fokus des Abends: Wie viel Überwachung ist sinnvoll und vertretbar? Wie lässt sich die Selbstbestimmung der Betroffenen wahren? Und wer sollte Zugriff auf technische Systeme haben? Die Veranstalter legen großen Wert darauf, diese Themen offen zu diskutieren und auch das Publikum einzubeziehen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Betreuung künftig organisiert werden kann. Immer häufiger leben Angehörige nicht am selben Ort wie die Pflegebedürftigen. Technische Lösungen können hier helfen, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen und bestehende Versorgungsstrukturen sinnvoll zu ergänzen.
Der Informationsabend versteht sich daher nicht nur als Einführung in technische Möglichkeiten, sondern auch als Impuls für neue Formen des Miteinanders – eine Kombination aus familiärer Unterstützung, professionellen Diensten und moderner Technik. Dieses Zusammenspiel könne einen wichtigen Beitrag zu einer sogenannten „sorgenden Gemeinschaft“ leisten.
Interessierte erhalten zudem Hinweise auf Beratungsangebote sowie Musterwohnungen, in denen entsprechende Technologien erprobt werden können.
Über den Veranstalter
Der Verein Leben mit Demenz Weinheim engagiert sich seit vielen Jahren für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in der Region. Ziel ist es, Betroffene im Alltag zu unterstützen, Angehörige zu entlasten und das Thema Demenz stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Zum Angebot des Vereins gehören unter anderem Informationsveranstaltungen, Gesprächs- und Selbsthilfegruppen, Betreuungsangebote sowie individuelle Beratung. Darüber hinaus setzt sich der Verein für den Aufbau einer „sorgenden Gemeinschaft“ ein, in der Nachbarschaft, Ehrenamt und professionelle Hilfen eng zusammenwirken. Mit Veranstaltungen wie diesem Informationsabend möchte der Verein praktische Impulse geben und Mut machen, neue Wege in der Betreuung und Begleitung zu gehen. Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten unter www.leben-mit-demenz-weinheim.de
Pressemitteilung der Stadt Weinheim, 15. Mai 2026