Am Sonntag ist für den Weinheimer Ortsteil Sulzbach ein besonderer Tag. Der Kerweumzug ist ein Höhepunkt im Jahr. Diesmal wird er an einer aktuellen Baustelle vorbeiführen, die für Sulzbach eine gewisse Bedeutung hat: Die Anschluss-Unterkunft für Flüchtlinge am Dammweg, seit Jahren geplant, zuletzt verzögert, weil man einen seltenen Falter vermutet. Aber jetzt in der Umsetzung. Es läuft gut, alles liegt im Plan. Davon überzeugten sich jetzt Cansu Sönmez von der Hochbauabteilung des Amtes für Immobilienwirtschaft und Sulzbachs Ortsvorsteher Frank Eberhardt vor Ort bei der Baustelle am Ortsrand von Sulzbach – dort, wo sich der Ortsteil mittelfristig auch mit einem Baugebiet erweitern könnte. So wurde es in der Zukunftswerkstatt besprochen.
Am Dammweg entstehen zwei dreigeschossige Wohngebäude in einer stabilen aber einfachen Bauweise, ähnlich wie man sie aus anderen Standorten kennt wie in der Händelstraße oder in der Stettiner Straße. Die Stadt hat mit dieser Art von Flüchtlingsunterkünften gute Erfahrungen gemacht. Das Fachamt arbeitet bei diesem Projekt diesmal mit dem Hirschberger Unternehmen Goldbeck zusammen, das als „Generalübernehmer“ beauftragt wurde. „Die Firma arbeitet sehr gut und zügig“, bescheinigt Frank Eberhardt. Die Bodenplatten sind bereits verlegt, der Hochbau wächst gerade in die Höhe. Dazu werden Fertigbauwände aus Beton gestellt. Daher gelingt der Ablauf auch zügig. Im Herbst, erklärt Cansu Sönmez, soll der Hochbau abgeschlossen sein. Dann geht es an die Installationen und den Innenausbau. Zur Verfügung stehen werden nach Fertigstellung dann 17 Wohneinheiten in Modulbauweise, das Erdgeschoss ist jeweils barrierefrei. Bis zu 66 Personen können dort untergebracht werden. Eine Fertigstellung mit Einzug der Bewohner ist für Februar geplant. Arbeiten am Außengelände schließen sich dann im Frühjahr 2027 an.
Die Haustechnik ist mit Luft-Wasser-Wärmepumpen Damit gelinge auch ein Beitrag zur angestrebten Klimaneutralität im Jahr 2035, beschreibt Cansu Sönmez.
Wegen der Landesförderung „Wohnraum für Geflüchtete“ ist die Nutzung als Anschluss-Unterbringung von Flüchtlingen auch vorgeschrieben. Die Bindung wird nach zehn Jahren aber aufgehoben. Dann können die Wohnungen für soziales Wohnen angeboten werden und entlasten damit mittelfristig den Arbeitsmarkt.
Frank Eberhardt betont, dass der Standort am Dammweg der erste einer Flüchtlings-Anschlussunterkunft in Sulzbach ist. Das entspreche dem Ziel der Standortfindungskommission und sorge für eine gerechte Verteilung der gesetzlichen Pflichtaufgabe innerhalb des Stadtgebietes. In den anderen Ortsteilen gibt es vergleichbare Angebote schon.
Die neuen Plätze werden benötigt, um weiterhin dem Rechtsanspruch gerecht zu werden. Denn noch immer sei die Stadt in der Bringschuld gegenüber dem Rhein-Neckar-Kreis, wie Dieter Dumtzlaff vom Ordnungsamt erklärt. Er ist im Rathaus für die kommunale Anschlussunterbringung der Flüchtlinge und obdachloser Menschen zuständig. Bis Ende des Jahres 2026 habe Weinheim noch einen Rückstand von etwa 110 Personen aufzuholen, gibt er zu Bedenken. Außerdem gelte es, aktuell schwierige Unterbringungen, wie die Container im Gorxheimer Tal, die Bergstraße 204 oder auch die provisorisch hergerichtete ehemalige Albert-Schweitzer-Schule zu entlasten und bestenfalls aufzulösen. Denn auch die Zahl der obdachlosen Menschen steigt seit einigen Jahren – auch hier hat die Kommune die Unterbringungspflicht.
Pressemitteilung der Stadt Weinheim, 21. Juli 2026