Mit dem Titel „Unter Schafen“ veranstaltete Landerlebnis Weinheim e.V. am vergangenen Samstag  die erste Aktion im Rahmen von „Naturdiplom 2024“. Unvorstellbare 80 Kinder waren offenbar an Schafen interessiert und wollten mehr zu diesem ältesten aller Nutztiere wissen. Aus Platzmangel musste die Teilnehmerzahl leider auf 50 Kinder reduziert werden. Ab 10.30 h, bei bestem Wetter, war dann Hochbetrieb bei den Schafen der Familie Tröscher, und das nicht nur bei den 4 Exemplaren die zum Scheren ausgesucht waren sondern auch bei jenen, die glaubten einen normalen Tag auf der Weide zubringen zu können. Dass man Schafe nur dann halten kann, wenn man den Boden nicht versiegelt sondern ihn z.B. als Weideland nutzt wurde den Kindern gleich eingangs vor Augen geführt. Das Gewinnen von strickfertiger Schafwolle ist ein komplexer, vielstufiger Vorgang, von dem fast alle Schritte gezeigt werden konnten. Aller Anfang ist zwar das Scheren aber natürlich muss man vordringlich wissen, wie die Schafe zu halten und zu ernähren sind, bevor man ihnen dann an die Wolle gehen kann. Übrigens war das Scheren früher der Höhepunkt im Jahr der Schafhalter, denn mit dem Verkauf der Wolle kam endlich mal Geld in die Kasse. Heute ist es schwer die Wolle überhaupt ohne zusätzlich Kosten unterbringen zu können, denn die Kunstfaser aber auch Baumwolle sind billige Konkurrenten. Nach dem Scheren kommt das Reinigen der Wolle. Wenn man nur die Wolle von zwei Schafen zu verwerten hat ist das kein Problem aber schon bei 10 Schafen wird es schwierig. Daher haben sich bereits im 19. Jahrhundert Wollwaschanlagen etabliert, die das Waschen übernahmen. Das Problem: man muss die Wolle ohne Seife und nur mit sehr vorsichtigen Bewegungen waschen, weil sonst die Faserstruktur zerstört wird, so wie ein Pullover bei zu heißer Wäsche „eingeht“. Die anschließenden Schritte von der gewaschenen Wolle zum gesponnenen Garn konnten mithilfe von alten Geräten anschaulich demonstriert werden. Während sich die eine Hälfte der Gruppe also mit der Praxis beschäftigte, bastelte die zweite Hälfte Nagelbretter in Schafsform. Die Kinder durften ihre handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen und ausbauen, indem sie Nägel in Form eines Schafes in ein kleines Holzbrett schlugen. Während hier kräftig gewerkelt wurde, kam schon die erste Ladung frisch geschorener Wolle von der ersten Gruppe bei der Bastelstation an. Nachdem die Nägel mit Fäden verbunden wurden, bekamen die gebastelten Schafe noch ein kuschelig, weiches Fell aus der frisch geschorenen Wolle. Zum krönenden Abschluss durften alle Kinder zu den Schafen auf die Weide und hatten viel Freude beim direkten Kontakt mit den Tieren. Hier wurde gestreichelt, beobachtet und die Tiere mit leckeren Kräutern und Karotten gefüttert.

Gestärkt mit den schon traditionellen gekochten Kartoffeln plus Schafsjoghurt, Salz und ggfs. Kümmel ging das Modul Unter Schafen“ zu Ende. Die Kinder haben sich nicht nur ein breites Wissen über Schafe und Wolle angeeignet, sondern nahmen auch rote Backen wegen der aktiven Zeit an der frischen Luft und einen Knäul Wolle mit nach Hause.

Pressemitteilung der Stadt Weinheim, 14. Mai 2024